Altersbeschränkung für Social Media?!

Die Diskussion um die geplante Altersbeschränkung für soziale Medien kommt in Fahrt: Laut Bundesfamilienministerin Prien (CDU) könne das Mindestalter „bei 14 oder 16 liegen“. Die Nationalakademie Leopoldina schlägt 13 Jahre, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther (CDU) hingegen 16 Jahre vor – so wie in Australien. Absurd:

Seinen Geschlechtseintrag darf man dort wie auch bei uns im Alter von 14 Jahren ändern lassen! Viel jüngere Kinder dürfen sogar der Behandlung mit Pubertätsblockern zustimmen – trotz irreversibler physischer Folgen. Ich bleibe daher dabei:

Alterskontrollen im Internet haben mit Jugendschutz höchstens am Rande zu tun. Der hat schließlich bislang auch so gut wie niemanden in Regierungsverantwortung interessiert. Stattdessen geht es wohl um noch stärkere Einschränkungen der Informationsfreiheit, um Überwachung und um die Vermarktung der parallel geplanten digitalen Identität. Auf meine Anfrage hin gibt das Digitalministerium zu:

„Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Digitale Identität – insbesondere in Form der EUDI-Wallet – künftig einen Beitrag zur Altersverifikation bei altersbeschränkten Online-Angeboten leisten kann.“

In Großbritannien sorgt der Online Safety Act bereits seit Juli dafür, dass alle Nutzer ihre Volljährigkeit beweisen müssen – teils über Kreditkarten, Online-Banking oder Gesichtsscans. Digitale Staats-IDs könnten als bequemere und schnellere Lösung präsentiert werden – ähnlich den staatlichen Corona-Apps mit eingebautem, digitalem Impfzertifikat.

Dass die plötzliche Sorge um das Kindeswohl im Netz politisch motiviert ist, dafür spricht nicht zuletzt die Ablehnung pauschaler Verbote durch den Kinderschutzbund und anderer Sozialverbände. Was mich betrifft: Ich möchte Kinder und Jugendliche selbstverständlich vor den Gefahren von TikTok und Co. schützen. Doch auch hier gilt:

Wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird am Ende beides verlieren. Hier kommt mein Gegenvorschlag:

Leiten wir als Politik und Gesellschaft doch lieber den Wertewandel ein – und leben den Jüngsten vor, dass es viel mehr gibt als die Welt hinter dem Display: Sport, Natur, Freundschaft und Zeit mit der Familie.

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